Ethische Entscheidungsfindung in komplexen Dolmetschsituationen

Seminarbeschreibung zwecks Antragstellung beim Integrationsamt
Barrierefreie und sichere Kommunikation im Berufsalltag!

1. Begründung des Seminars

Ethische Entscheidungsfindung ist ein zentraler Bestandteil des professionellen Handelns im modernen Arbeitsleben. Für taube Gebärdensprachdolmetschende entstehen dabei spezifische Herausforderungen, insbesondere in komplexen und sensiblen Einsatzkontexten, die durch
sprachliche, kommunikative und strukturelle Bedingungen geprägt sind. Dazu zählen unter anderem asymmetrische Kommunikationssituationen, institutionelle Rahmenbedingungen sowie unterschiedliche Erwartungen der beteiligten Akteur:innen.

Das Seminar richtet sich ausschließlich an taube Dolmetschende und hat einen unmittelbaren beruflichen Bezug. Anhand typischer Situationen aus dem Berufsalltag – etwa in familienrechtlichen Verfahren, Asylverfahren, medizinischen oder psychosozialen Kontexten – werden berufsbezogene Kompetenzen vermittelt, die unmittelbar in die Praxis übertragbar sind und die professionelle Handlungssicherheit nachhaltig stärken.

Im Schwerpunkt stehen Situationen, in denen keine eindeutigen Handlungsempfehlungen vorliegen und Entscheidungen unter Unsicherheit, Zeitdruck und in komplexen sozialen und berufsethischen Konstellationen getroffen werden müssen. Solche Entscheidungssituationen sind häufig durch widersprüchliche Anforderungen, unklare Rollenabgrenzungen oder divergierende Interessen gekennzeichnet. Ziel ist es, Handlungssicherheit in solchen Kontexten zu erhöhen und Entscheidungsprozesse bewusst, reflektiert und professionell zu gestalten.

Ein besonderer Fokus liegt auf der Verbindung formaler Ethikrichtlinien (wie Berufs- und Ehrenordnung) mit taubspezifischem Erfahrungswissen sowie kollektiven Wissensformen der Community. Ethische Entscheidungsprozesse werden dabei nicht isoliert betrachtet, sondern als relationale Prozesse verstanden, die unterschiedliche Perspektiven, Machtverhältnisse und situative Bedingungen einbeziehen. Dadurch wird ein differenziertes Verständnis professioneller Verantwortung gefördert.

Die Maßnahme dient der Sicherung der Beschäftigungsfähigkeit sowie der nachhaltigen Teilhabe schwerbehinderter Menschen am Arbeitsleben dient.

2. Ziele und Inhalte

Ziel des Seminars ist es, die ethische Handlungssicherheit tauber Gebärdensprachdolmetschender zu stärken, ihre Kompetenzen im Umgang mit komplexen und mehrdeutigen Entscheidungssituationen zu erweitern und den Transfer in den Berufsalltag systematisch zu sichern.

Die Teilnehmenden lernen, ethische Entscheidungssituationen systematisch zu analysieren, relevante Einflussfaktoren zu identifizieren, unterschiedliche Perspektiven einzubeziehen und ihre Entscheidungen nachvollziehbar sowie fachlich fundiert zu begründen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf sogenannten High-Context-Entscheidungen, die situative Dynamiken, Beziehungskonstellationen, institutionelle Rahmenbedingungen und mögliche langfristige Auswirkungen berücksichtigen.

Darüber hinaus erwerben die Teilnehmenden Strategien zur Reflexion eigener Handlungsmuster, zur strukturierten kollegialen Beratung sowie zum professionellen Umgang mit emotional belastenden Einsatzsituationen. Die Verbindung von der Berufs- und Ehrenordnung und erfahrungsbasiertem Wissen wird gezielt reflektiert und in praxisnahen Settings angewendet.

Ein weiterer Fokus liegt auf der Entwicklung individueller Entscheidungsstrategien sowie der bewussten Positionierung im beruflichen Kontext. Dadurch werden die Teilnehmenden in die Lage versetzt, auch in anspruchsvollen und komplexen Dolmetschsituationen handlungsfähig zu bleiben und ihre Entscheidungen transparent zu vertreten.

Durch praxisnahe Fallarbeit, Simulationen und strukturierte Reflexionsphasen werden Strategien entwickelt, die unmittelbar in den Berufsalltag übertragen werden können.

3. Seminarleitung

Rona Meyendorf
Hörgeschädigtenpädagogin und staatlich geprüfte taube Gebärdensprachdolmetscherin

Prof. Dr. Christian Rathmann
deutscher Linguist und Leiter der Abteilung Deaf Studies und Gebärdensprachdolmetschen am Institut für Rehabilitationswissenschaften der Humboldt-Universität Berlin.

Bei Anmeldung werden die Zimmer für die Teilnehmer im Tagungshotel Duhnen automatisch reserviert. Übernachtungskosten sind nicht in der Teilnehmergebühr inbegriffen. Sonderpreis für die Teilnehmer 163,00 € je Nacht im Tagungshotel Duhnen.

Dieses Seminar wurde vom Integrationsamt Hildesheim als förderungsfähig im Sinne von § 24 SchwbAV anerkannt.

Datum 

07. Januar 2027 bis 10. Januar 2027

Methoden

praxisnahe Fallarbeit, Simulationen und strukturierte Reflexionsphasen

Seminarort

Tagungshotel Duhnen

 

Anmeldeschluss am

10. Dezember 2026

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